Die Zahlen sind eindeutig: Land schlägt See. Im vergangenen Jahr wurden laut Global Wind Report weltweit 165 Gigawatt Windkraftkapazität zugebaut. Davon entfielen 155,3 Gigawatt auf Windenergieanlagen an Land und 9,3 Gigawatt auf Offshore-Windprojekte. Die Gründe sind vor allem ökonomisch: Onshore-Wind zählt nach Photovoltaik-Großanlagen zu den günstigsten Stromquellen weltweit – Bau, Betrieb und Wartung sind deutlich kosteneffizienter als bei Offshore-Projekten. Das bestätigt eine Studie von Fraunhofer ISE.
„Onshore-Windenergie ist das Fundament der globalen Energiewende“, sagt Andreas Arnheim, Director der WindEnergy Hamburg. Auf der Weltleitmesse präsentieren vom 22. bis zum 25. September mehr als 1.600 Ausstellende ihre Innovationen. Auch wenn zahlreiche Technologien sowohl auf See als auch an Land Anwendung finden: Rund 60 Prozent der ausstellenden Unternehmen ordnen sich dem Onshore-Segment zu.
Zwischen Kostendruck und Boom: Die Branche wächst
Und die Wachstumsgeschichte geht weiter: „Obwohl die Windenergiebranche derzeit mit Problemen in der Lieferkette, steigenden Kosten und Verzögerungen bei der Genehmigungserteilung zu kämpfen hat, wird erwartet, dass sich die weltweite Kapazität bis 2030 auf über 2.000 Gigawatt (GW) fast verdoppeln wird, da sowohl Industrieländer als auch Entwicklungsländer diese Hindernisse angehen“, schreibt die Internationale Energieagentur (IEA) in einer aktueller Studie. Die IEA-Prognose: „Rund 85 Prozent der Kapazitätszuwächse im Windkraftbereich werden voraussichtlich an Land erfolgen.“
Saubere Energie, souveräne Versorgung
Tatsächlich sehen nicht nur Länder wie China den Ausbau der Erneuerbaren Energien als wichtigen Faktor für die Unabhängigkeit von – insbesondere fossilen – Energieimporten an. „Die Dringlichkeit von Resilienz ist allen politischen Akteuren durch die Blockade der Straße von Hormus und die in der Folge gestiegenen Öl- und Gaspreise noch einmal drastisch vor Augen geführt worden“, sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions bei der Hamburg Messe und Congress. Neben Klimaschutz ist Energiesouveränität zu einem der wichtigsten Argumente für den Ausbau der Windenergie geworden. China hat vor allem wegen des starken Binnenmarkts in der Branche quantitativ die Nase vorn, aber europäische Anbieter können dank ihrer Erfahrung und technologischen Expertise mithalten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Der Geschäftsführer von VDMA Power Systems, Dr. Dennis Rendschmidt, betont: „Zur Stärkung der Lieferketten in der Windindustrie und für eine krisenfeste Energieversorgung ist es zwingend notwendig, die europäische Wertschöpfung zu erhalten und zu stärken. Diese braucht es, damit unser Know-How gesichert werden kann und wir technologisch und politisch resilienter aufgestellt sind.“ José Luis Blanco, CEO der Nordex Group, verfolgt denselben Ansatz: „Die europäische Windindustrie braucht Größe, um global bestehen zu können – und die Anerkennung des Mehrwerts, den Windtechnologie für unsere Gesellschaften schafft.“ Sein Unternehmen war 2025 mit einem Anteil von 31,5 Prozent an allen neu ans Netz angeschlossenen Onshore-Windkraftanlagen das zweite Jahr in Folge Marktführer in Deutschland. Zum Fertigungsverbund gehören Werke in Deutschland, Spanien, Brasilien, Indien und den USA. Das Produktprogramm konzentriert sich auf Onshore-Turbinen vor allem der Klassen 4 bis 7 MW+, die auf die Marktanforderungen von Ländern mit begrenzten Ausbauflächen und Regionen mit begrenzten Netzkapazitäten ausgelegt sind.
Mehr Leistung durch Repowering
Begrenzungen wie diese machen das Repowering, also den Ersatz älterer Anlagen durch neuere, deutlich leistungsfähigere zum Thema. Mehr Power durch größere Rotorfläche und die Nutzung der Windströmung in größeren Höhen: Nach Schätzungen des Marktforschungsunter-nehmens Mordor Intelligence entfielen 2025 in Deutschland 37 Prozent des Onshore-Kapazitäts-zuwachses auf den Ersatz von Windturbinen der ersten Generation mit 2 MW durch solche mit 6 MW. Auf diesem Feld erfolgreich ist auch WindEnergy Hamburg-Aussteller Enercon: Ein Beispiel ist der neue Anlagentyp E-175 EP5 E2. Mit einer Nennleistung von 7 MW und einem Rotordurchmesser von 175 Metern gehört Enercons Topmodell zu den aktuell leistungsfähigsten Onshore-Windturbinen. „Sie führt bei den Neugenehmigungen in Deutschland die Rangliste der Anlagentypen an und ist auch international für immer mehr Kunden der entscheidende Faktor zur Ertragsmaximierung“, berichtet CEO Udo Bauer. Lieferverträge gibt es für Projekte in der Türkei, Kanada, die Niederlande, Österreich, Litauen und Portugal. Erfolgreich sind die Ostfriesen auch mit ihren dynamischen Performance-Upgrades, die den optimalen Betrieb der Turbinen über die gesamte Lebensdauer sicherstellen.
Die Zukunft der Windenenergie im Blick
Größer, besser, effizienter: Der Windparkentwickler und -betreiber wpd baut seine Aktivitäten im deutschen Heimatmarkt und international in Europa, Asien, Nordamerika und Lateinamerika stetig aus und verfügt über eine Projektpipeline von gut 38.000 MW Wind onshore. Aktuell befinden sich allein in Deutschland Projekte mit einer Gesamtleistung von knapp einem Gigawatt (GW) im Bau, bei den aktuellen Ausschreibungen war das Unternehmen erneut erfolgreich. „Gleichzeitig bewegen wir uns derzeit in einem äußerst anspruchsvollen Marktumfeld: Fallende Preise stehen steigenden Kosten gegenüber. Netzpaket sowie EEG-Novellierung bergen das Risiko von Fehlentwicklungen, die den Ausbau der Windenergie bremsen könnten“, warnt Geschäftsführer Dr. Hartmut Brösamle.
Intelligente Netze, Digitalisierung, Integration von Speichertechnologien und vieles mehr: Bei der WindEnergy Hamburg 2026 können Fachleute und Politik, Verwaltung und Wissenschaft mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche die ganze Bandbreite der relevanten Themen diskutieren – und in den Messehallen die passenden Produktinnovationen und Dienstleistungen in Augenschein nehmen. „Networking ist der Schlüssel für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Windenergie – dafür bietet unsere Weltleitmesse in Hamburg die ideale Plattform“, sagt Andreas Arnheim. „Für eine sichere, zukunftsfähige Energieversorgung und wirksamen Klimaschutz – weltweit.“

