Hamburg, 09. Juli 2026 – Ein starkes Signal für die Branche: Anfang des Jahres vergab die britische Regierung Flächen für knapp 8,5 Gigawatt an insgesamt zwölf Offshore-Windenergieprojekte – die größte Einzelausschreibung für Windenergie auf See in der europäischen Geschichte. „Mit diesen Ergebnissen gewinnt Großbritannien die Kontrolle über seine Energiesouveränität zurück“, sagte der britische Energieminister Ed Miliband. „Dies ist ein historischer Sieg für all jene, die wollen, dass Großbritannien seine Energieversorgung selbst in der Hand hat, anstatt von Märkten abhängig zu sein, die von Ölstaaten und Diktatoren kontrolliert werden.“ Die neu vergebenen Projekte reichen, um zwölf Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen. Insgesamt sind damit Investitionen von mehr als 22 Milliarden Pfund verbunden. „Offshore Wind ist zurück. Der Ölpreis-Schock hat den Erneuerbaren Energien wieder mächtig Auftrieb gegeben“, sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions bei der Hamburg Messe und Congress. Auf der Weltleitmesse präsentieren mehr als 1.600 Marktplayer ihre Innovationen – und das Offshore-Segment ist mit führenden Unternehmen aus aller Welt prominent vertreten.
Komplexe Anforderungen, ganzheitlicher Blick
Die Branche hatte zuletzt mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen: In den USA versuchte die Trump-Regierung, Offshore-Windparks teilweise kurz vor der Fertigstellung zu stoppen, in Deutschland prüft der französische Konzern Total Energies derzeit offenbar eine Rückgabe der Konzession für ein Projekt in der Nordsee. Hintergrund seien Probleme beim Netzanschluss. Damit haben etliche Player zu kämpfen. Dazu kommen rapide gestiegene Kosten und unklare rechtliche und politische Rahmenbedingungen. Entsprechend gedämpft ist die Stimmung, so das Ergebnis des 17. WindEnergy trend:index, einer aktuellen Branchenumfrage. Peter Constantin Brun, Global Segment Leader Offshore Wind bei DNV, bleibt aber optimistisch. „Als Stromerzeugungstechnologie hat die Offshore-Windenergie viel zu bieten, um den steigenden Strombedarf durch die Elektrifizierung zu decken und eine unabhängige Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten“, sagt Peter Constantin Brun. Regierung und Regulierungsbehörden müssten dies fördern, beispielsweise durch ein stabiles Auktionsdesign, schnellere Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren sowie eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit. „Auf Projektebene hängt der Erfolg davon ab, die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Teilen der Wertschöpfungskette der Offshore-Windenergie zu verstehen. Ein ganzheitlicher Lebenszyklusansatz ist unerlässlich, um Risiken zu bewältigen und Kosten zu senken“, so der DNV-Manager. Das unabhängige technische Beratungs- und Zertifizierungsunternehmen stellt auf der WindEnergy Hamburg sein Portfolio vor.
Enge Kooperation, gemeinsamer Erfolg
Der Ausbau der Offshore-Windenergie ist technisch komplex und erfordert ein perfektes Zusammenspiel unterschiedlichster Akteurinnen und Akteure. „Kooperation ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Branche – dafür ist unsere Weltleitmesse die optimale Plattform“, sagt AndreasArnheim, Director WindEnergy Hamburg. Den ehrgeizigen Ausbaufahrplan in Europa nimmt Agustin Delgado Martin, CTO des führenden spanischen Energieunternehmens Iberdrola Group, in den Blick. „Gemeinsame Ziele werden erst dann zu gemeinschaftlichem Handeln, wenn Europa einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und die Abstimmung aller Strategien sicherstellt – nicht nur im Energiebereich, sondern auch in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Industrie. Die Energiewende in Europa wird nur dann gelingen, wenn den Ambitionen konkrete Schritte folgen. Um dies zu erreichen, brauchen wir vertikale und horizontale Zusammenarbeit zwischen den wichtigsten Akteuren entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette, einschließlich des öffentlichen Sektors, der Technologieanbieter und der Industrie.“ Iberdrola will seine global installierte Offshore-Kapazität bis 2028 um 3,5 Gigawatt steigern und dafür rund acht Milliarden Euro investieren.
Breites Angebot, spezielle Expertise
Auf der WindEnergy Hamburg ist die gesamte Wertschöpfungskette der Branche vertreten – von Projektplanung und -finanzierung über Anlagenbau und -installation bis zu Netzanschluss und Betrieb. Besondere Expertise ist etwa bei Transport, Installation und Wartung der Anlagen gefragt. Reedereien halten dafür Spezialschiffe bereit. Dazu gehört etwa das belgische Unternehmen Jan de Nul mit seinen Offshore-Installationsschiffen, die weltweit im Einsatz sind. Der norwegische Player Fred. Olsen Windcarrier hat mittlerweile mehr als 1.100 Offshore-Wind-Turbinen erfolgreich installiert. Das niederländische Unternehmen Van Oord verfügt u.a. über das größte Kranschiff der Welt und hat auch große Kabelverlegungsschiffe im Einsatz. Und Windea Offshore sorgt mit seiner Flotte von Commissioning Operation Vessels und Crew Transfer Vessels dafür, dass die Installations- und Wartungsteams gut untergebracht sind und sicher zu den Windanlagen gelangen.
Internationaler Zuschnitt, regionale Anbindung
In der Offshore-Branche läuft Kooperation im Weltmaßstab: So sicherte sich Seatrium im Rahmen eines Konsortiums mit GE Vernova Ende 2025 den Zuschlag für das Netzanschlussprojekt BalWin 5. Das Projekt dient dazu, den von den Windparks in der Nordsee erzeugten Strom ins deutsche Netz einzuspeisen. Das singapurische Unternehmen hat sich von einer Werft zu einem führenden Lieferanten für Offshore-Wind-Infrastruktur gewandelt. „Seatrium hat bereits Offshore-Windkraftprodukte mit einer Gesamtleistung von 16 GW ausgeliefert oder ist dabei, sie auszuliefern. Das ist mehr als die installierte Leistung des Stromnetzes von Singapur“, berichtet Chris Ong, CEO von Seatrium. Wie wichtig Zusammenarbeit in der Branche ist, zeigt beispielhaft auch das Projekt Gennaker, das vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns entsteht. Der Windpark-Entwickler und -Betreiber Skyborn Renewables hat dafür kürzlich ein Auftragsbündel geschnürt: Die Monopile-Fundamente liefert EEW Special Pipe Construction, die Übergangsstücke kommen von Dajin Heavy Industry, für den Transport und die Installation der Fundamente ist Seaway7 zuständig, die Lieferung und Verlegung der Kabel zwischen den Windparkanlagen übernimmt ein Konsortium aus Boskalis und TKF. „Gennaker bietet Mecklenburg-Vorpommern langfristigen Mehrwert. Die Offshore-Windenergie hat positive Auswirkungen vor Ort – sei es durch Investitionen, Arbeitsplätze oder die Dekarbonisierung“, sagt Patrick Lammers, CEO von Skyborn. Der Windpark wird mit 976,5 MW der größte in der deutschen Ostsee und soll 2028 fertig sein.
Großes Potenzial, positive Perspektiven
Offshore Wind ist zurück: Das zeigt auch der aktuelle Milliarden-Auftrag des Netzbetreibers 50Hertz an ein Konsortium aus Neptun Smulders Offshore Renewables und Siemens Energy, bei dem es um eine Konverter-Plattform geht. Der Auftrag zeige, welches Potenzial der Offshore-Windausbau für industrielle Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation in Deutschland biete, sagte Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenenergie Offshore (BWO). „Die Windenergie in Nord- und Ostsee liefert nicht nur klimafreundlichen Strom, sondern schafft auch konkrete Perspektiven für Werften, Häfen und Zulieferunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“
Um diese und andere Perspektiven geht es auch beim frei zugänglichen Konferenzprogramm der WindEnergy Hamburg. Mehr als 300 Top-Speaker diskutieren auf sechs Open Stages die großen Themen der Branche wie sogenannte Contracts for Differences (CFD), die einen Mindestpreis für den Strom garantieren und so das finanzielles Risiko der Betreiber minimieren. Die Dänische Energieagentur hat beispielsweise auf das attraktivere System umgestellt, nachdem eine Ausschreibung spektakulär gescheitert war. Für die 20-jährige Förderperiode stehen nun für drei geplante Windparks mit insgesamt 2,8 Gigawatt Leistung rund 7,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Weitere Schwerpunkte werden neue Entwicklungen bei schwimmenden Windenergieanlagen, der Schutz von kritischer Infrastruktur gegen hybride Angriffe, aber auch die Abschattungseffekte zwischen einzelnen Turbinen und ganzen Windparks sein, die die Wirtschaftlichkeit von Projekten gefährden können. „Herausforderungen der Netzanbindung, Integration von Speichertechnologien, KI-gesteuerte Wartungstools: Bei der WindEnergy Hamburg 2026 treffen Fachleute aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft auf die führenden Player der Industrie und gestalten gemeinsam die Zukunft der Windenergie – offshore und onshore“, sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburg Messe und Congress.



