Vier Tage lang wurde auf der SMM 2026 über die zentralen Herausforderungen der maritimen Industrie diskutiert – von maritimer Sicherheit und resilienten Lieferketten über Energieeffizienz und neue Antriebstechnologien bis zu Künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen. Reedereien, Werften, Zulieferer, Technologieunternehmen, Marinen und internationale Organisationen nutzten die Messe für den Austausch über Investitionen, neue Technologien und Partnerschaften.
„Was wir in diesen vier Tagen erlebt haben, ist eine Branche mit großem Gestaltungswillen. Trotz geopolitischer und regulatorischer Unsicherheiten wird investiert, nach Lösungen gesucht und an neuen Partnerschaften gearbeitet. Quer durch alle Themen war spürbar, dass verfügbare Technologien schneller eingesetzt werden sollen“, sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburg Messe und Congress.
Sicherheit und Resilienz rücken ins Zentrum
Besonders sichtbar wurde der Bedeutungsgewinn maritimer Sicherheit in der neuen Naval Hall B8. Mit der MS&D Konference & Expo und der Naval Stage kamen dort internationale Marinen, Defence-Unternehmen, maritime Zulieferer und Anbieter von Dual-Use-Technologien zusammen. Im Fokus standen unbemannte Systeme, Sensorik, Cybersecurity und der Schutz kritischer maritimer Infrastruktur.
Die Resonanz auf die neue Naval Hall fiel entsprechend positiv aus. „Dekarbonisierung bleibt wichtig, aber die Sicherheit auf See und der Schutz der Seewege sind im Moment Thema Nummer eins. Wir brauchen schnell Schiffe im Wasser und müssen die Beschaffungsprozesse deutlich verkürzen. Die Industrie steht bereit: Viele der benötigten Produkte und Technologien sind bereits vorhanden und müssen nicht erst von Grund auf neu entwickelt werden“, sagt Klaus Deleroi, Geschäftsführer von REINTJES.
„Die SMM ist für uns eine wichtige Plattform für den persönlichen Austausch mit Partnern und Zulieferern. Die neue Naval Hall ist eine hervorragende Bereicherung und wurde von den Besuchern positiv aufgenommen“, sagt Oliver Grün, Spokesman Division Naval Systems of Rheinmetall AG.
Auf der MS&D Konferenz ging es vor allem um die Frage, wie Marinen angesichts der veränderten Sicherheitslage zu den benötigten Fähigkeiten kommen. Hochrangige Marinevertreter aus verschiedenen Ländern diskutierten dazu mit Verantwortlichen aus Industrie und Forschung über neue Technologien, Beschaffung und eine engere Zusammenarbeit.
Einen besonderen Akzent setzte Vizeadmiral Jan Christian Kaack bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Inspekteur der Deutschen Marine. Im Mittelpunkt standen höhere Einsatzbereitschaft, verkürzte Beschaffungsprozesse und der verstärkte Einsatz unbemannter Systeme. Kaack machte deutlich, dass angesichts der Sicherheitslage verfügbare und funktionierende Lösungen schneller beschafft werden müssten. Im anschließenden Gespräch warb er zudem für ein engeres Zusammenspiel bemannter und unbemannter Systeme. Konteradmiral Christian Bock, Leiter des Bundeswehr Innovation Center, unterstrich den Handlungsbedarf: „Die SMM und die MS&D sind wichtige Plattformen, um neue Technologien frühzeitig zu erkennen und Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen.“
Der Schutz kritischer maritimer Infrastruktur spielte beim Offshore Dialogue eine zentrale Rolle. Moderator Dr. Walter L. Kuehnlein hob insbesondere die offene und rege Diskussion über technologische und operative Lösungen mit dem Publikum hervor.
Effizienz wird zum Business Case
Während Sicherheit und Resilienz die Agenda stärker bestimmen, bleiben Dekarbonisierung und Energieeffizienz zentrale Aufgaben der Branche. Angesichts unsicherer regulatorischer Rahmenbedingungen und der weiterhin offenen Frage nach den Kraftstoffen der Zukunft richtet sich der Blick auf Technologien, die sich bereits heute einsetzen lassen und Verbrauch sowie Emissionen reduzieren. Im neuen Energy Efficiency Hub präsentierten 24 Unternehmen auf 300 Quadratmetern Lösungen von Windantrieben über alternative Antriebstechnologien bis zu Maßnahmen zur Optimierung bestehender Flotten.
„Der Energy Efficiency Hub ist eine wertvolle Ergänzung der SMM. Besonders auffällig war für uns, wie konkret die Gespräche inzwischen sind: Reedereien suchen gezielt nach Lösungen zur Steigerung der Flotteneffizienz und beschäftigen sich zunehmend mit Technologien wie Windantrieben, die bereits heute einsetzbar sind“, sagt Ada Ak, Sales Engineer bei BAR Technologies.
Dass die Dekarbonisierung die Branche weiterhin intensiv beschäftigt, zeigte der Global Maritime Environmental Congress (gmec) auf der Energy Efficiency Stage. Vor voll besetztem Saal diskutierten Branchenvertreter über den weiteren Weg zu einer klimaneutralen Schifffahrt. Im Mittelpunkt standen die Zusammenarbeit entlang der maritimen Wertschöpfungskette sowie Green Shipping Corridors als möglicher Ansatz, um die Dekarbonisierung im maritimen Sektor voranzutreiben.
KI kommt in der Praxis an
Bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz rückte die Umsetzung in den Vordergrund. Statt über theoretische Potenziale zu diskutieren, ging es auf der SMM zunehmend um konkrete Anwendungen – von Flottenoptimierung und Predictive Maintenance über autonome Systeme bis zur KI-basierten Umfeldwahrnehmung.
„Auf der SMM 2026 spüren wir deutlich, dass die Gespräche konkreter werden: Kunden fragen weniger nach dem Potenzial von KI, sondern nach fertigen Lösungen für Kollisionsvermeidung an Bord. Die Qualität der Gespräche war in diesem Jahr spürbar höher“, sagt Patrick Haebig, Senior Sales Manager EMEA North bei SEA.AI. Anschütz berichtete von einer steigenden Nachfrage nach KI-gestützten Anwendungen. In den Gesprächen ging es unter anderem darum, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und damit Navigation und Entscheidungsfindung an Bord zu unterstützen.
Der Maritime Future Summit griff diese Entwicklung auf. Diskutiert wurde, wo KI im Betrieb einen Mehrwert schafft und wo ihre Grenzen liegen – etwa bei sicherheitskritischen Anwendungen, Zertifizierung, Haftung und der Nachvollziehbarkeit KI-basierter Entscheidungen.
„Das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz und humaner Intelligenz ist einer der ganz wichtigen Schlüssel für die Weiterentwicklung der Branche. Es geht nicht darum, KI möglichst überall an Bord oder in den Prozessen zu integrieren, sondern die ‚Sweet Spots‘ zu finden“, sagt Michael Meyer, Moderator des Maritime Future Summit.Neben den technologischen und sicherheitspolitischen Themen spielte der Fachkräftenachwuchs eine wichtige Rolle. Beim zweitägigen Maritime Career Market kamen Unternehmen, Hochschulen und Verbände mit Studierenden, Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern sowie maritimen Fachkräften ins Gespräch.
Internationale Geschäfte entstehen persönlich
Die Internationalität der SMM zeigte sich 2026 eindrucksvoll: 26 Nationenpavillons und Delegationen aus rund 30 Ländern unterstrichen die internationale Ausrichtung der SMM. Erstmals waren unter anderem Indien, Zypern und Brasilien mit eigenen Nationenpavillons vertreten. Aus vielen Ländern berichteten Aussteller von hochwertigen Gesprächen, neuen Kontakten und Geschäftsmöglichkeiten. Besonders sichtbar war in diesem Jahr die starke indische Beteiligung. Nach Angaben der Indian Ports Association nutzten Häfen, Werften und maritime Unternehmen die SMM für den Austausch, neue Geschäftskontakte und langfristige Kooperationen.
Positiv fällt die Bilanz der dänischen Aussteller aus: „Die SMM ist ein einzigartiger Treffpunkt für die maritime Industrie. Unsere Aussteller haben zahlreiche Gespräche mit internationalen Geschäftspartnern geführt, aus denen neue Kooperationen entstehen werden. 2028 sind wir wieder mit einer starken dänischen Präsenz dabei“, sagt Mie Jakobsen, Deputy CEO und Head of Marine der Danish Export Association, die den Pavilion of Denmark organisiert.
Junichi Hirata, Managing Director bei CAJS aus Japan, brachte es besonders prägnant auf den Punkt: „SMM is the Maritime Olympics!"
Über die vier Messetage zeigte sich eine ausgesprochen positive Stimmung in der Branche. Aussteller berichteten von hoher Gesprächsqualität, einer starken Präsenz von Entscheidern und einer weiterhin hohen Investitionsbereitschaft trotz bestehender Unsicherheiten. „Die SMM 2026 war für Alfa Laval eine ausgezeichnete Woche mit intensivem Austausch und substanziellen Gesprächen in der gesamten Branche. Trotz der Unsicherheiten im Markt sehen wir eine klare Investitionsbereitschaft, wenn Lösungen einen konkreten operativen und ökologischen Mehrwert bieten. Wir verlassen Hamburg bestärkt durch die Dynamik, mit der Innovationen entlang der gesamten maritimen Wertschöpfungskette vorangetrieben werden“, sagt Helena Sannicolò, Vice President, Marketing & Communications, Ocean Division bei Alfa Laval.
Kurs halten – und Tempo machen
„Nach vier Tagen SMM ist für mich vor allem eines deutlich: Die Branche wartet nicht ab. Unternehmen investieren, suchen Partner und wollen verfügbare Technologien schneller einsetzen. Gerade angesichts der geopolitischen und regulatorischen Unsicherheiten ist dieser Gestaltungswille entscheidend. Die SMM bringt die Akteure zusammen, die dafür gemeinsam Lösungen voranbringen können“, bilanziert Selbach.
Maritime Sicherheit und Verteidigung bleiben 2027 in Hamburg auf der Agenda: Am 8. und 9. Dezember 2027 findet die nächste MS&D Konferenz & Expo statt – parallel zum Global Security and Defence Summit (GSIS) im CCH – Congress Center Hamburg.
SMM 2026 in Zahlen: Erstmals über 50.000 Teilnehmende
Mit mehr als 50.000 Teilnehmenden verzeichnete die SMM 2026 eine Rekordbeteiligung. Menschen aus 134 Nationen kamen an den vier Messetagen nach Hamburg. Rund 2.300 ausstellende Unternehmen aus 66 Ländern präsentierten ihre Lösungen auf mehr als 90.000 Quadratmetern in zwölf Hallen. Über 70 Prozent der Aussteller kamen aus dem Ausland. Die kommunizierten Zahlen beruhen auf einer Hochrechnung vom letzten Messetag, Stand 12 Uhr, und sind vorläufig. Aufgrund einer Umstellung bei der qualifizierten Besuchendenbefragung liegen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine abschließenden Angaben zur Gesamtzufriedenheit vor.
Die nächste SMM findet vom 5. bis 8. September 2028 in Hamburg statt.



