Auftakt zur SMM 2026: Maritime Branche stellt sich neu auf

Hochkarätige Gäste diskutieren die maritime Agenda der Zukunft. Klares Signal: Sicherheit und Resilienz rücken in den Fokus der Branche.

Sicherheit und Resilienz gewinnen für die maritime Wirtschaft deutlich an Bedeutung. Gleichzeitig bleiben Dekarbonisierung, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit zentrale Herausforderungen. Zum Auftakt der SMM 2026 diskutierten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und internationalen Organisationen, wie sich die Branche unter veränderten geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen neu aufstellt.

Welche Rolle der SMM dabei als internationaler Treffpunkt der Branche zukommt, unterstrich Heiko M. Stutzinger, CEO der Hamburg Messe und Congress, der gemeinsam mit seinem Kollegen Uwe Fischer die Gäste begrüßte: „Internationalität, Innovationskraft, Informationsdichte: Die SMM ist und bleibt der Taktgeber für die Gestaltung der maritimen Zukunft.“ 

Auch Hamburgs Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard betonte in ihrem Grußwort die maritime Kompetenz und Strahlkraft des Standorts. Als europäisches Gateway für Handel, Energie und Daten komme Hamburg eine besondere Verantwortung für sichere und resiliente maritime Infrastrukturen zu.

Die SMM bringt dafür die internationale maritime Community in Hamburg zusammen: Rund 2.300 Aussteller aus bis zu 70 Ländern sowie 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 120 Nationen werden erwartet. Auf mehr als 90.000 m² Ausstellungsfläche in zwölf Messehallen präsentiert die Messe die gesamte Wertschöpfungskette der maritimen Industrie. Das komplette Messegelände ist ausgebucht.

Sicherheit und Resilienz gewinnen an Bedeutung

Der Schutz kritischer maritimer Infrastruktur und die wachsenden strategischen Abhängigkeiten standen im Mittelpunkt der Sicherheitsdebatte. Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, und Emma Salisbury, Senior Fellow am Foreign Policy Research Institute und Associate Fellow am Royal Navy Strategic Studies Centre, rückten im Panel insbesondere die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit und gemeinsamer Antworten auf neue maritime Bedrohungen in den Fokus. 

Knut Ørbeck-Nilssen, Group President und CEO von DNV, weitete den Blick auf die Vielzahl gleichzeitiger Unsicherheiten, mit denen die Branche umgehen muss: „Die Schifffahrt befindet sich in einer Phase großer Unsicherheit, in der sich Technologie, Regulierung, Energie und nicht zuletzt die geopolitische Lage gleichzeitig verändern. Erfolgreich werden diejenigen Unternehmen sein, die anpassungsfähig bleiben und diesen Unsicherheiten begegnen können.“ Mit Blick auf die weitere Entwicklung verwies Ørbeck-Nilssen zudem auf die Kernenergie als mögliche Option für die maritime Energiewende. Dabei hob er insbesondere das Potenzial kleiner modularer Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) sowie das wachsende Engagement von Technologieunternehmen bei deren Entwicklung hervor.

Die wachsende Bedeutung von Sicherheit und Resilienz spiegelt sich auch auf der SMM 2026 wider. Mit der neuen Naval Hall B8 erhalten maritime Sicherheit und Verteidigung erstmals eine eigene Halle. Die dortige Naval Stage, die MS&D Conference & Expo sowie Unternehmen und internationale Marine-Delegationen machen das Thema während der vier Messetage zu einem zentralen Schwerpunkt.

Wettbewerb und Zusammenarbeit

Die weltweiten Veränderungen eröffnen zugleich neue Wachstumschancen. Ein Beispiel dafür ist Indien. Shri Vijay Kumar, Staatssekretär im indischen Ministerium für Häfen, Schifffahrt und Wasserstraßen, skizzierte in seiner Keynote die langfristige Wachstumsstrategie des Landes. Die „Maritime Amrit Kaal Vision 2047“ sieht umfangreiche Investitionen in den maritimen Sektor vor. Dabei setzt Indien auch auf internationale Investitionen, Technologiepartnerschaften und stärkere industrielle Verbindungen mit Europa. Die wachsende Bedeutung Indiens zeigt sich auch auf der SMM: Das Land ist 2026 erstmals mit einem eigenen Nationenpavillon vertreten.

Starke Konkurrenz aus Asien gehört für die europäische Schiffbauindustrie seit Langem zur Normalität – zugleich eröffnet die weltweite Dynamik auch neue Chancen. 

„Europa kann wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir uns unsere Kämpfe sorgfältig aussuchen und bereit sind, unsere Interessen zu verteidigen. Die unangenehme neue Weltordnung zwingt das europäische maritime Ökosystem dazu, sich neu zu erfinden”, sagte Anu Ahola, Chief Strategy and Transformation Officer beim Schiffbauunternehmen Meyer Turku.

Für Dr. Gaby Bornheim, Präsidentin des Verbands Deutscher Reeder (VDR), sind maritime Stärke und Europas Sicherheit unmittelbar miteinander verbunden: „Die Widerstandsfähigkeit Europas hängt von einer starken und international wettbewerbsfähigen Schifffahrtsbranche ab. Europäische Reeder verbinden unsere Branche mit den globalen Märkten, sichern Lieferketten und stellen in Krisenzeiten unverzichtbare Seetransportkapazitäten bereit. Wir brauchen daher einen regulatorischen Rahmen, der Investitionen und Dekarbonisierung ermöglicht, ohne Unternehmen, Schiffe und Fachwissen aus Europa zu vertreiben. Die Wettbewerbsfähigkeit der Schifffahrt in Europa zu erhalten, ist eine strategische Notwendigkeit für Europa.“

Globale Regeln für eine globale Branche

Eine global agierende Branche braucht weltweit gültige Regeln – darüber herrscht weithin Einigkeit. John Denholm, Vorsitzender der International Chamber of Shipping (ICS), brachte es auf den Punkt: „Die Schifffahrt ist eine globale Branche, daher müssen auch die Regeln und Vorschriften, die unsere Branche regeln, global sein. Wir können keine widerstandsfähige maritime Industrie auf der Grundlage eines Flickenteppichs aus nationalen und regionalen Vorschriften aufbauen.”

Dass die Technologie der Regulierung inzwischen voraus ist, machte Dr. Uwe Lauber, CEO des führenden Motorenherstellers Everllence, deutlich: „Maritime Sicherheit, Resilienz und KI mögen heute die Tagesordnung dominieren, doch die Dekarbonisierung der Schifffahrt bleibt unsere Verpflichtung. Die Technologie ist bereit. Was wir jetzt brauchen, ist ein glaubwürdiges IMO-Rahmenwerk für Netto-Null-Emissionen, das Investitionssicherheit schafft und die Dekarbonisierung belohnt. Jede Verzögerung begünstigt fossile Brennstoffe gegenüber klimaneutralen Alternativen. Die Kluft ist nicht mehr technologisch, sondern politisch.“

Damit richtete sich der Blick auf die International Maritime Organization (IMO), die den globalen Rahmen für die Transformation der Schifffahrt setzt. Die IMO arbeitet intensiv an einem konkreten Fahrplan zur Umsetzung des Net-Zero-Ziels 2050. Bis Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen herrscht, müssen Reedereien bei ihren Investitionen jedoch vorsichtig agieren.

Zugleich machte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez deutlich, dass die maritime Transformation nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine industrielle Chance ist. Alternative Kraftstoffe, Digitalisierung, KI und Automatisierung entwickeln sich zu wichtigen Treibern für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Neben der Dekarbonisierung rückte er in seiner Keynote einen weiteren zentralen Aspekt in den Mittelpunkt: die Sicherheit der Menschen auf See: „Sichere Seewege sind für den globalen Handel unverzichtbar, doch in erster Linie geht es dabei um den Schutz der Menschen. Seeleute müssen ihre Arbeit verrichten können, ohne ihr Leben zu gefährden.“

Anschließend eröffnete IMO-Generalsekretär die SMM 2026 offiziell. 

„Die Diskussionen zum Auftakt zeigen, dass Dekarbonisierung, Digitalisierung, Sicherheit und Resilienz keine getrennten Aufgaben mehr sind, sondern gemeinsam gedacht werden müssen. Die SMM bringt die Entscheider zusammen, die diese Transformation gestalten und die Zukunft der maritimen Wirtschaft bestimmen“, sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburg Messe und Congress.

Vier Tage lang wird nun auf dem Hamburger Messegelände über diese Themen diskutiert, verhandelt und entschieden. Neben den rund 2.300 Ausstellern bieten fünf Bühnen und fünf Fachkonferenzen Raum für Austausch und Wissenstransfer. Parallel zur SMM erweitern ALL ABOUT PORTS und LogiNext Germany im CCH – Congress Center Hamburg das Programm um die Themen Hafenwirtschaft und digitale Logistik.

Podiumsdiskussion auf der SMM vor Publikum. Mehrere Sprecherinnen und Sprecher stehen auf einer Bühne vor einer großformatigen Veranstaltungswand zum Thema maritime Transformation.

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Nele Bruns
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