SMM DIGITAL: Eine Branche gibt Stoff

Klimaschutz ist die größte Herausforderung unserer Zeit – auch für die maritime Industrie. Die Weltleitmesse SMM DIGITAL weist der Branche im Rahmen der Umweltkonferenz gmec den Weg zu einer emissionsarmen Schifffahrt. Im Fokus stehen umweltfreundliche Antriebe und alternative Brennstoffe. Alle Angebote der SMM DIGITAL sind für die Zuschauer kostenfrei.

Seit einem guten Jahr gilt der sogenannte „Sulphur Cap“. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO verpflichtet damit Schiffe, nur noch Brennstoffe mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,5 Prozent zu verwenden oder entsprechende Filteranlagen nachzurüsten. Auf dem gmec - the global maritime environmental congress, der Online-Umweltkonferenz im Rahmen der SMM DIGITAL, tauschen sich Branchenkenner über die Erfahrungen mit dem neuen Grenzwert aus. Zu Gast beim ersten Panel: Heidi Paulsrud, Scrubber-Expertin von Wärtsilä, Wolfram Guntermann, Umweltverantwortlicher bei Hapag-Lloyd, DNV GL-Manager Rasmus Stute und Motoren-Spezialist Kjeld Aabo von MAN Energy Solutions.

Immer mehr der Reeder setzen auf Flüssigerdgas (LNG). CMA CGM stellte etwa im Herbst sein Flaggschiff „Jacques Saadé“ in Dienst – das größte LNG-Containerschiff der Welt. Hapag-Lloyd hat vor wenigen Wochen in der gleichen Größenklasse sechs neue LNG-Schiffe bestellt. Auftragsvolumen: rund eine Milliarde Dollar. Erfahrungen mit der Technologie sammelt die Hamburger Reederei bereits mit der auf LNG-Betrieb umgerüsteten „Brussels Express“ (Ex-„Sajir“). Der Sulphur Cap lässt sich so leicht einhalten. Doch der fossile Brennstoff bringt nur 15 bis 30 Prozent Einsparungen bei Treibhausgasen. „Unser langfristiges Ziel bleibt ein CO2-neutraler Schiffsbetrieb mit synthetischem Gas“, sagt Richard von Berlepsch, Managing Director Fleet bei Hapag-Lloyd.

Alternative Brennstoffe

Um das Zero-Emission-Ziel zu erreichen, sind weitere Technologiesprünge gefragt. Das weiß auch Hans-Jörg Kunze, Kommunikationschef bei AIDA: „Wir sind uns mit unseren Partnern und Kritikern vom NABU einig, dass der LNG-Antrieb ein wichtiger, aber auch nur ein erster Schritt ist. Synthetische Treibstoffe werden zukünftig eine größere Rolle spielen müssen, ebenso die Benutzung von grünem Landstrom, Brennstoffzellen und Batterielösungen.“ Was die Kreuzfahrtreederei praktisch umsetzt, erklärt Kunze in der zweiten gmec-Gesprächsrunde. So testet AIDA aktuell im Projekt „Pa-X-ell2“ gemeinsam mit der Meyer Werft und Thyssen Krupp Marine Systems den Betrieb von Brennstoffzellen an Bord der „AIDAnova“. Sie soll damit kurze Strecken sogar komplett emissionslos schaffen.

Dafür wird Wasserstoff benötigt, der über erneuerbare Energien umweltfreundlich hergestellt werden kann. Einen Schritt weiter geht dann synthetisches Erdgas (SNG), das durch Methanisierung von Wasserstoff entsteht. Noch machen den Experten die gewaltigen Energieverluste bei der Umwandlung zu schaffen, doch die Fortschritte sind beachtlich. Für die Erforschung solcher und ähnlicher alternativer Brennstoffe hat der internationale Reederverband ICS angeregt, einen Fonds zu schaffen, der mit einem Zuschlag zum Brennstoff finanziert wird.

Engagement gefragt

Dass sie um Investitionen in grünere Antriebstechnologien nicht herumkommen, wissen die Reeder. Wie können die Akteure das finanziell schultern? Diese und andere Fragen diskutiert Chefredakteur Julian Bray im Rahmen des TradeWinds Digital Forum, der Partnerkonferenz der SMM DIGITAL, mit seinen Gästen. Dabei geht es auch um die Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien für künftige Schiffsfinanzierungen.

Ist der Fahrplan, den die IMO für die Dekarbonisierung der Schifffahrt vorgibt, ausreichend? Umweltorganisationen und europäische Schiffbauverbände bezeichnen ihn als „nicht sehr ambitioniert“. Im dritten gmec-Panel treffen Vertreter von Fridays For Future und NABU auf Größen der internationalen Schifffahrtsbranche. Werden sie einen gemeinsamen Nenner finden? Das können Teilnehmer am 3. Februar (14:00-15:30 Uhr, CET) im kostenlosen Stream erleben.

„Als innovative High-Tech-Branche bietet die maritime Industrie bereits eine Vielzahl an umweltfreundlichen Technologien und präsentiert diese transparent in der Öffentlichkeit. Es freut mich sehr, dass die NGOs Fridays for Future und NABU unserer Einladung nachgekommen sind und auf der SMM DIGITAL ins Gespräch mit Playern der maritimen Branche einsteigen – mit Sicherheit eine spannende und erkenntnisreiche Diskussion“, sagt Claus Ulrich Selbach, Geschäftsbereichsleiter Maritime und Technologiemessen bei der Hamburg Messe und Congress GmbH.

Der gmec findet am 3. Februar von 9:30 bis 15:40 Uhr statt. Das TradeWinds Digital Forum kann am 2. Februar von 13:00 bis 15:55 Uhr, CET, live gestreamt werden.

Weitere Informationen unter: www.smm-hamburg.com

Über die SMM

Die SMM ist die Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft und findet normalerweise alle zwei Jahre auf dem Gelände der Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC) statt. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die 29. Auflage der Messe vom 2. bis 5. Februar 2021 als rein digitale Konferenz durchgeführt. Die SMM DIGITAL bringt die maritime Community unter dem Leitmotiv „Driving the maritime transition“ zusammen: Die Teilnehmer können die hochkarätig besetzten Konferenzen online über eine Streaming-Plattform verfolgen. Auf der SMM DIGITAL diskutieren internationale Experten über aktuelle Herausforderungen und innovative Lösungen für die maritime Industrie. Die nächste SMM findet vom 6. bis 9. September 2022 statt.